Der Blick
18.02.2026
Jetzt will ich meine Lider schließen, Herr;
Denn meine Augen haben für heute ihren Dienst getan
Und mein Blick,
der den ganzen Tag im Garten der Menschen spazieren gegangen ist,
will nun in meine Seele heimkehren.
Dank, Herr, für meine Augen, diese offenen Fenster über der großen Weite;
Dank für den Blick, der meine Seele zum anderen trägt,
wie der wohlige Strahl das Licht und die Wärme Deiner Sonne auf die Erde bringt.
Ich bitte dich in dieser Nacht, dass morgen, wenn ich meine Augen in der klaren Frühe öffnen werde,
sie bereit seien, zu dienen
– zu dienen meiner Seele
und ihrem Gott.
Herr mache, dass meine Augen hell seien;
Und dass mein Blick Hunger nach Reinheit wecke;
Gib dass er nie getäuscht, nie enttäuscht, nie verzweifelt werde,
sondern fähig, zu bewundern, verzückt zu sein, zu betrachten.
Gib dass meine Augen sich zu schließen wissen, um Dich besser wiederzufinden;
Aber dass sie nie sich abwenden von der Welt, weil sie Angst vor ihr haben.
Gib dass mein Blick tief genug sei, um deine Gegenwart in der Welt zu erkennen,
und dass meine Augen sich nie schließen vor dem Elend der Menschen.
Herr mein Blick möge nüchtern und fest sein, aber auch Mitleid kennen,
und meine Augen mögen imstande sein, zu weinen.
Mache dass mein Blick den, den er trifft, nicht beschmutze,
Dass er nicht traurig mache, sondern freudig,
Dass er nicht verwirre, sondern beruhige,
Dass er nicht in Gefangenschaft führe,sondern einlade und mitreiße, über sich hinauszuwachsen.
Mache dass er den Sünder bedrücke, weil er in ihm dein Licht erkennt,
Aber dass er nur tadle, um zu ermutigen.
Mache dass mein Blick beunruhige, weil er eine Begegnung ist
- eine Begegnung mit Gott.
Dass er ein Anruf sei, der Trompetenstoß, der alle aus ihren Häusern herausruft,
Nicht um meinetwillen, Herr, sondern weil du vorübergehen willst.
Damit mein Blick das alles sei, Herr,
schenke ich dir heute Abend von neuem meine Seele;
ich schenke dir meinen Leib;
ich schenke dir meine Augen, damit, wenn sie die Menschen meine Brüder und Schwestern anschauen,
Du es bist, der sie anschaut und aus mir heraus ihnen ein Zeichen gibt.