Taufe Jesu im Jordan

09.01.2026

Bild zum Geistlichen Word

Manfred Rütsche

privat; Weiterverwendung nicht gestattet

Biblische Texte sind sehr tiefsinnig. Sie haben einen doppelten Boden. Wie Gleichnisse erzählen sie mit Hilfe von Alltagsbildern und historischen Begebenheiten eine tiefere Wahrheit. Um diese geht es wesentlich. Auch die Taufgeschichte ist deshalb sehr hintergründig. Sie erzählt im Vordergrund wie Jesus getauft wurde. Im Hintergrund meint sie aber uns. In welchem Sinne?

Einen Jordan gibt es in jedem Leben. Es ist der Fluss unseres Lebens. Er zeigt sich im Wandel, der unser Leben durchzieht. Wir erfahren, wie Umstände kommen und gehen, ohne dass wir das beeinflussen. Wir bemerken, wie Menschen in unser Leben treten, bleiben und vielleicht auch wieder gehen, ohne dass wir etwas dazu beitragen. Geheimnisvoll entwickelt sich unser Leben.

Ab und zu realisieren wir staunend, wie Ereignisse ohne unser Zutun genau zur rechten Zeit für uns passieren. Manchmal fällt uns wie ein Wink vom Himmel ein Buch in die Hände, bei dem wir spüren: „Das muss ich jetzt lesen. Das passt zu meinem Lebensmoment.“ Im Nachhinein, wenn wir auf unseren Weg zurückblicken, denken wir hin und wieder überrascht: „Wie viel Sinn doch alles ergab.

Jeder Schritt, den ich tat, und jede Erfahrung, die ich machte, war notwendig, um dorthin zu gelangen, wo ich jetzt stehe.“ Einen Jordan gibt es auch in unserem Leben. Wie viel Vertrauen haben wir in diesen Fluss unseres Lebens? Trauen wir dem Leben zu, dass es sich zu unseren Gunsten entfaltet, oder lebt in uns die Vorstellung, dass wir unser eigenes dazu beitragen müssen?

Pfarrer C. Bitterli

privat